Was(ser) ist wirklich wichtig?!

Nachgefragt bei Dipl.- Ing. (FH) Michael Würtemberger, Inhaber und Geschäftsführer bei WM aquatec GmbH & Co.KG.

Warum spielt die Qualität des Frischwassers im Reisemobil eine wichtige Rolle – auch wenn ich das Wasser nicht trinke?

Diese Frage begegnet mir immer wieder. Grundsätzlich muss man wissen, dass im Trinkwasser, selbst in Deutschland nach aktueller deutscher Trinkwasserverordnung und hoher Qualitätsstandards, 100 KBE (keimbildende Einheiten: Bakterien, Pilze, Hefen etc.) pro 1ml Wasser im Trinkwasser erlaubt sind, sowie die Tatsache, dass sich Mikroorganismen mit steigender Temperatur auch schneller vermehren. Ab ca. 10°C setzt schon eine Vermehrung der Bakterien ein, die sich bei z.B. 25°C in der Wachstumsgeschwindigkeit bereits verdreifacht. Boiler im Freizeitmobil werden in aller Regel bei Temperaturen zwischen 40°C u. 60°C betrieben. Dies ist energetisch gesehen sinnvoll, aus hygienischer Sicht jedoch nachteilig. Laut einer neueren Studie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig vermehren sich z.B. Legionellen auch bei Temperaturen zwischen 50°C und 60°C [1]. Wenn Sie über ein intaktes Immunsystem verfügen und Legionellen belastetes Wasser trinken, ist die Gefahr einer Erkrankung sehr gering.

Doch spätestens beim Duschen sieht das anders aus. Über den feinen Wassernebel, der beim Duschen entsteht, können lungengängige Legionellen-Aerosole eingeatmet werden. Diese schädigen langfristig und können schwere Infektionen wie z.B. eine Legionellose (Lungenentzündung) hervorrufen.

“Selbst wenn Sie das Wasser ausschließlich zum Abwaschen von Geschirr nehmen, sollte eine gewisse Grundhygiene des Wassers gewährleistet sein, denke ich.”

Wie ist die Gefahr durch Legionellen im Frischwassersystem zu bewerten? Die gesundheitlichen Folgen von Legionellen im Frischwassersystem können drastisch sein und sollten nicht unterschätzt werden. So erkranken in Deutschland jährlich ungefähr 32.000 Menschen an einer Lungenentzündung, verursacht durch Legionellen, wobei die Letalität, also die Sterberate bei ungefähr 6% liegt. Das sind ca. 1920 Todesfälle pro Jahr [2]. Zum Vergleich: 2020 gab es in Deutschland 2.724 Verkehrstote [3].

Was empfehlen Sie demnach zum hygienischen Betrieb des Frischwassersystems?

Meine Praxisempfehlung lautet: Mindestens einmal im Jahr eine Grundreinigung des Frischwassersystems durchzuführen, das Wasser grundsätzlich zu konservieren und in Süd- oder außerhalb Europas das Wasser, aufgrund der höheren Keimanzahl, zusätzlich zu desinfizieren. Oft werde ich gefragt, warum man das Frischwassersystem noch reinigen muss, wenn das Wasser doch konserviert wird. Das ist recht einfach erklärt: das mit Silberionen beladene Wasser ist zwar weitestgehend vor einer Verkeimung geschützt – jedoch ist es technisch unmöglich eine 100%ige Keimfreiheit im gesamten System zu garantieren. Denken Sie alleine an den Befüllstutzen oder andere Teile des Frischwassersystems, die nicht ständig mit Wasser in Berührung, aber durch die Verdunstung des Wassers ständig feucht sind. Hier herrschen hervorragende Bedingungen für Keime sich zu vermehren, die langfristig im Tank und den Leitungen einen Biofilm bilden, der wiederum das gesamte System zunehmend verkeimt.

Dies ist dann nicht nur eklig und unappetitlich, sondern kann zudem geruchlich sehr unangenehm werden. Und je nach Verkeimungsgrad und Art der Keime bzw. Bakterien kann dies auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringen.

“Meine Empfehlung: Mindestens einmal im Jahr eine Grundreinigung des Frischwassersystems durchführen, das Wasser grundsätzlich zu konservieren und in Süd- oder außerhalb Europas, aufgrund der höheren Keimanzahl, zusätzlich zu desinfizieren.”

Was hat es mit Silber als Konservierungsmittel auf sich?

Bereits vor Tausenden von Jahren war man sich der besonderen Eigenschaften von Silber bewusst. So galt es bereits bei Alexander dem Großen als unerlässlich, das für diverse Feldzüge benötigte Trinkwasser in Silberbehältern mit sich zu führen, um dessen Reinheit zu gewährleisten. Überlieferungen aus dieser Zeit beschreiben bereits die magischen, heilenden Eigenschaften von Silber. Heute sieht man das nüchterner – spricht nunmehr vom Silber und der antimikrobiellen Wirkung als Folge des oligodynamischen Effektes. Im Trinkwasser besitzen Silberionen (Ag+) eine mikrobizide (keimtötende bzw. keiminhibierende) Wirkung. Damit ist es möglich, Trinkwasser zu konservieren und langfristig vor einer Wiederverkeimung zu schützen. So kann das mit Silberionen beladene Wasser sogar bis zu 6 Monaten vor einer Neuverkeimung geschützt werden [4].

„Im Trinkwasser besitzen Silberionen (Ag+) eine mikrobiozide Wirkung. Damit ist es möglich, Trinkwasser zu konservieren und langfristig vor einer Wiederverkeimung zu schützen.“

Welche Wirkstoffe sind zur Konservierung demnach sinnvoll?

Im Falle von Silber sind es die positiv geladenen Silberionen, die an den Mikroorganismen (z.B. Krankheitserregern wie Legionellen, E.Coli etc.) andocken und in über 30 verschiedenen Wirkmechanismen den Stoffwechsel der Bakterien stören bzw. zum Zelltod führen. Dort gehen vornehmlich Thiol- und Carboxylgruppen mit den Silberionen relativ stabile Verbindungen ein [5], die zu einem Verlust der Vermehrungsfähigkeit nach mehreren Minuten bzw. zum Zelltod infolge des Stoffwechsel-Zusammenbruchs führen. Auf Chlor oder z.B. Wasserstoffperoxid basierende Produkte können nicht im Wasser „gebunden“ werden, verflüchtigen sich und sind somit zur Konservierung ungeeignet.

„Die mikrobiell wirkenden Silberionen haben eine einzigartige Langzeitwirkung wie kein anderer Wirkstoff auf dem Markt.“

Welche Grenzwerte sind gemäß Trinkwasserverordnung geregelt?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine maximale Silberionenkonzentration von 0,1mg Silber (100µg) pro Liter zur Konservierung von Trinkwasser, darauf hat man sich international verständigt. In Deutschland ist Silber seit Ende 2017 in der Trinkwasserverordnung nicht mehr gelistet (bis dato lag die Zugabe ebenfalls bei 100µg/l). Dies hat jedoch keine Relevanz für Camper oder z.B. Wohnmobilvermieter. Die Liste regelt ausschließlich die Aufbereitungsstoffe für die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen.

„Die europäische Norm EN 15030 (in Deutschland: DIN EN 15030) beschäftigt sich mit der Konservierung von Wasser. Hier wird ausschließlich auf den Wirkstoff Silber(-ion) verwiesen, wenn es um Wasserkonservierung geht.“

Ist Silber im Trinkwasser gesundheitlich bedenklich?

Vorneweg. Bislang kann von keiner wissenschaftlichen Untersuchung berichtet werden, die eine schädliche Wirkung auf den menschlichen Organismus in den o.g. Konzentrationen nachgewiesen hat. Das hat vor Allem damit zu tun, dass Silberionen, welche in den menschlichen Organismus aufgenommen werden, über den Stuhlgang den menschlichen Körper wieder verlassen bzw. ausgeschieden werden [6]. Gerne kann ich die Unbedenklichkeit an einem Rechenbeispiel verdeutlichen:

Stellen Sie sich vor, Sie trinken 70 Jahre lang, jeden Tag 2 Liter Wasser, welches mit 0,1mg (100µg) Silber pro Liter Trinkwasser versehen ist (international anerkannte Maximalkonzentration an Silber im Trinkwasser). Das entspräche einer Gesamtsilbermenge von 5g Silber innerhalb von 70 Jahren (0,0001g/l * 2l/Tag * 365Tage/Jahr * 70 Jahre). Aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht hervor, dass der Wert von 5 Gramm an aufgenommenem Silber im menschlichen Körper nicht toxisch wirkt, eben auch, weil ein Großteil über den Stuhl wieder ausgeschieden wird. Somit sind selbst bei einem lebenslangen Konsum von 2 Litern Trinkwasser, mit der maximal empfohlenen Silberionen-Konzentration von 0,1mg/Liter Trinkwasser, keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen zu befürchten [7]. Wenn Sie das nun auf die wenigen „Campingtage“ herunterbrechen, liegt man in den 70 Jahren des Wassergenusses sehr wahrscheinlich sogar nur im Milligramm Bereich an aufgenommenem Silber. Auch weisen die Städte Atlanta, Denver oder New York seit jeher einen natürlichen Silbergehalt von 200 – 300µg/l auf. Hier wurden keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung festgestellt, selbst bei fortwährendem Genuss von Silbermengen in o.g. Konzentration [8].

„Bislang kann von keiner wissenschaftlichen Untersuchung berichtet werden, die eine schädliche Wirkung auf den menschlichen Organismus in den o.g. Konzentrationen nachgewiesen hat.“

Was ist der Unterschied zwischen Konservierung und Desinfektion?

Unter Konservierung versteht man die Verhinderung der Vermehrung von Mikroorganismen über einen längeren Zeitraum. Das setzt jedoch Wasser in Trinkwasserqualität voraus. Bei einer Desinfektion geht man von einer hohen Keimbelastung im Wasser aus, welche durch den Zusatz von Desinfektionsmitteln vermindert wird, um das Wasser trinkbar zu machen.

Chlorhaltige Desinfektionsprodukte haben oft auch selbigen Geruch/Geschmack – gibt es hier Alternativen?

Ja, die gibt es. Als erstes sollte man hier jedoch einen Schritt zurückgehen, um die Technologien zu unterscheiden. Grundsätzlich gibt es zwei Hauptkategorien. Da wäre die chemische Desinfektion, wie es z.B. auch bei Chlor der Fall ist oder aber die physikalische Desinfektion, die ohne den Einsatz von chemischen Erzeugnissen auskommt. Als chemische Alternative zu Chlor sei an dieser Stelle der Wirkstoff Chlordioxid genannt, der erhebliche Vorteile gegenüber Chlor besitzt. So bilden sich beim Einsatz von Chlordioxid z.B. weniger schädliche organische Desinfektionsnebenprodukte wie z.B. THM (Trihalogenmethane) und es ist auch bei höheren pH-Werten beständig und wirksam. Hier verliert Chlor recht schnell seine Desinfektionswirkung [9].

Physikalische Desinfektionstechnologien haben hier natürlich den klaren Vorteil, dass keine chemischen Zusätze zum Einsatz kommen. Sterilfilter mit einer Filterfeinheit <0,2µm (kleiner 0,0002mm) besitzen z.B. einen hervorragenden Bakterienrückhalt. Ein jedoch klarer Nachteil auf der einen Seite sind die laufenden Kosten durch die 6-monatigen Filterwechsel, die aus hygienischer Sicht unbedingt einzuhalten sind, sowie die zu erwartenden Durchflusseinbußen durch die Filterfeinheit der Filterelemente. Eine sehr komfortable Variante der physikalischen Desinfektion hingegen stellen z.B. UV-Anlagen dar. Hier durchströmt das Wasser eine Wasserdesinfektionseinheit direkt bei der Wasserentnahme und stellt so ein frisch desinfiziertes Wasser zur Verfügung.

Quellenangaben:

[1] R.Lesnik, I. Brettar & M.G. Höfle 2015: Legionella species diversity and dynamics from surface reservoir to tap water: from cold adaptation to thermophily. The ISME (International Society for Microbial Ecology) Journal (2015), 1–17; doi: 10.1038/ismej.2015.199
[2] Grundlagen der Trinkwasserhygiene und Legionellenprophylaxe 6. Runder Tisch für Hygienebeauftragte aus stationären Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet München am 13.11.2018 Referat für Gesundheit und Umwelt der LH München
[3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/185/umfrage/todesfaelle-im-strassenverkehr/
[4] DIN EN 15030:2015-05, Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Silbersalze für den nicht systematischen Gebrauch; Deutsche Fassung EN 15030:2012+A1:2015, A.1.2.1 Wirkung
[5] DIN EN 15030:2015-05, Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch – Silbersalze für den nicht systematischen Gebrauch; Deutsche Fassung EN 15030:2012+A1:2015, 1. Anwendungsbereiche
[6] West, H.D. et al., The use of radioactive Silver for detection of Abzesses and Tumors, J. Lab. and clinical Medicine, 34, 1949, S. 1976 – 1979
[7] Guidelines for drinking-water quality, 2nd ed. Vol. 2. Health criteria and other supporting information. World Health Organization, Geneva, 1996
[8] Water Quality and Treatment, 2nd. ed., J Am. Water Works Ass., New York 1951
[9] Höll, Karl: Wasser: Nutzung im Kreislauf, Hygiene, Analyse und Bewertung / Karl Höll. Hrsg. von Prof. Dr. rer. nat. Andreas Grohmann. – 8., völlifg neu bearb. Aufl. – Berlin; New York: de Gruyter, 2002; 9.5.2 Chlor und Chlor abspaltende Stoffe ff.